Gefahr für die Demokratie

Weltweit sind in der letzten Zeit immer mehr Menschen auf die rechts-extreme Verschwörungsgruppe “QAnon” aufmerksam geworden. QAnon gilt als erfolgreichste Verschwörungstheorie der Neuzeit: Sie glauben, dass die Elite, darunter unter anderem Hollywoodstars, Journalisten und Trumps Gegner, die Demokraten, Kinder töten und sich mit Hormonen aus deren Blut behandeln lassen würden. Präsident Trump würde die Welt „vor einem satanischen Kult aus Pädophilen und Kannibalen” (Quelle: Zeit.de) retten. Im Mai wurde QAnonvom FBI als inländische Terrorbedrohung deklariert. Dennoch glauben laut Forbes 56 Prozent der Republikaner, dass die Theorie stimmt oder teilweise zutrifft, während lediglich 4 Prozent der Demokraten angaben, dass sie teilweise stimmt.

Generell ist zu beobachten, dass Verschwörungstheorien in den vergangenen Jahren weltweit Hochkonjunktur haben. Diese Theorien scheinen sich häufig bei weltgeschichtlichen Ereignissen zu entwickeln, für die es keine einfache Erklärung gibt.  Diese oft tragischen oder absurden Geschehnisse sind so schwer zu verstehen, dass man durchaus an der “Wahrheit” zweifeln kann. Verschwörungstheoretiker suchen dann nach der vermeintlich “richtigen” Erklärung für Ereignisse wie 9/11 oder Adolf Hitlers Tod. Sie sind meist der Überzeugung, die Wahrheit zu kennen und suchen nach einem Motiv: Wer könnte von einer Inszenierung profitieren?

Zum Beispiel glauben einige, dass COVID-19 nicht existiert, jedoch würde das bedeuten, dass Millionen von Menschen gerade unwissentlich betrogen werden würden. COVID – Leugner sehen zum Beispiel das Tragen von Masken als „Eingriff in die Freiheitsrechte” an, andere glauben, dass COVID dazu dient, den sexuellen Handel mit Kindern zu vertuschen (Quelle: BBC.com), auch dies steht oft im Zusammenhang mit QAnon. Angeblich würde das Tragen der Maske Kinder anfälliger für Entführungen und dem damit einhergehenden Menschenhandel machen. Diese Theorien finden weltweit zunehmend Zuspruch, obwohl sich Experten einig sind, dass keine der Theorien bewiesen werden kann (Quelle: usatoday.com).  

Verschwörungstheoretiker glauben auch, dass nichts so ist, wie es scheint und dass alles miteinander verbunden ist. Dabei beachten sie nicht, dass es auch Zufälle gibt, dass nicht alles eine einfache Erklärung hat und dass nicht alle Ereignisse zusammenhängen (Quelle bpb.de). Gerade medizinische Verschwörungstheorien können dazu führen, dass Menschen den Glauben an essentielle Institutionen, wie zum Beispiel die Polizei, die Weltgesundheitsorganisation oder die Medien, verlieren.

Tatsächlich sind auch nicht alle Verschwörungstheorien komplett unwahrscheinlich. Zum Beispiel glaubten wenige Menschen, dass Länder ihre Bürger überwachen würden, bis Edward Snowden den U.S. NSA (National Security Agency) – Skandal aufdeckte (Quelle: bpb.de).

Nach Angaben von Michael Butter, Professor für amerikanische Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität Tübingen, können Verschwörungstheorien ein Motor für politische Radikalisierung sein und deshalb zu Gewaltbereitschaft und tatsächlicher Gewalt führen. Wie er in einem Interview mit der Deutschen Welle angab, wurde uns das bereits durch den Anschlag in Christchurch am 15. März 2019 gezeigt, bei welchem 51 Menschen ums Leben kamen.

QAnons Theorie tauchte erstmals so richtig zum Wahlkampf 2016 auf – und verbreitete haltlose Behauptungen über Trumps damalige Kontrahentin Hillary Clinton. Im Oktober 2017 fing dann jemand mit dem Namen “Q” an, im pseudo-anonymen Diskussionsforum 4chan zu posten, dass Clintons Verhaftung unmittelbar bevorstehe. 4chan ist eine Plattform, die dafür bekannt ist, White Supremacy (weiße Vorherrschaft) aufrechtzuerhalten. QAnons Theorien verbreiten sich seitdem hauptsächlich auf sozialen Netzwerken. Diese versuchen dagegen vorzugehen:

Facebook hat bereits 790 Gruppen, 100 Seiten und 1.500 Anzeigen entfernt, während Twitter über 7.000 Accounts von QAnon-Unterstützern gesperrt hat (Quelle: Zeit.de).  QAnonsMitglieder verwenden beim Posten ihrer Inhalte vor allem Hashtags wie savethechildren, saveourchildren, wherewegoonewegoall und pizzagate. Unter dem Hashtag „pizzagate” wurde die absurde Annahme verbreitet, dass Demokraten aus einer Pizzeria in Washington D.C. heraus Kinderhandel betreiben würden.

Zu Beginn dieses Wahljahres tauchten wieder vermehrt Verschwörungstheorien von QAnon auf, wohl um auch auf die Präsidentschaftswahl 2020 Einfluss zu nehmen.

QAnon: die erste rechtsextreme Verschwörungstheorie der Neuzeit, die in die amerikanische Mainstream-Kultur und die Washingtoner Politik eindringt

Zum Beispiel haben QAnon-Gruppen einen Artikel von der Associated Press aufgegriffen und als Beweis für ihre Theorien angeführt: Im Artikel ging es um einen Zuschuss in Höhe von 35 Millionen US-Dollar von der Regierung an Organisationen, die sich für Überlebende des Menschenhandels einsetzt. Beobachter bezeichnen diese verhältnismäßig geringe Summe als reine Wahlkampftaktik seitens des Präsidenten. 

QAnons Anhänger nutzen immer wieder Meldungen oder aus dem Zusammenhang gerissene Statistiken, um damit eigene ausgedachte Theorien vermeintlich zu belegen. QAnon degradiert Politiker und Medienschaffende mit dem Argument: „Wenn Sie dagegen sind, dass wir darüber sprechen, sind Sie für Kinderhandel”.

Experten sagen außerdem, dass QAnon die erste rechtsextreme Verschwörungstheorie in der Neuzeit sei, die es geschafft hat, in die amerikanische Mainstream-Kultur und die Washingtoner Politik einzudringen (Quelle: ABC news). So seien mindestens rund ein Dutzend Kandidaten, die bei den Wahlen im November einen Sitz im US-Repräsentantenhaus anstreben, QAnon-Befürworter, unter anderem Rep. Majorie Taylor Greene, Rep. Jo Rae Perkins und Rep. Lauren Boebert (Quelle: Washington Post, Axios).

Die aktuelle Regierung steht immer wieder in der Kritik, sich nicht von der Verschwörungstheorie klar abzugrenzen. So wollte Vizepräsident Mike Pence an einer Spendenaktion für Präsident Trumps Wahlkampagne Anfang September diesen Jahresteilnehmen. Diese wurde abgesagt, nachdem ein Bericht der Associated Press (AP) enthüllte, dass das Ehepaar, welches die Veranstaltung ausrichtete, öffentlich seine Unterstützung für QAnon zum Ausdruck gebracht hatte.

Immer wieder wird Präsident Trump von Reportern auf QAnon angesprochen. Im August äußerte er sich auf einer Pressekonferenz: „Nun, das habe ich (…) nicht gehört. Aber soll das eine schlechte oder gute Sache sein? Ich meine, wenn ich helfen kann, die Welt vor Problemen zu retten, bin ich bereit, es zu tun”, (Quelle: whitehouse.gov). Als er bei der Town Hall am 15. Oktober zuletzt dazu angehalten wurde, QAnon und damit White Supremacy zu verurteilen, antwortete er: „Ich weiß nichts darüber. Ich weiß, dass sie gegen Pädophilie sind, sie kämpfen sehr hart dagegen an“ (Quelle: bbc.com).

Sowohl Präsident Trump als auch seine Kinder und Mitarbeiter des Weißen Hauses haben bereits QAnon-Inhalte auf sozialen Netzwerken, zum Beispiel auf Twitter, geteilt. Dabei wird angenommen, dass Präsident Trump nichts gegen die Bewegung unternehme, da er wohl den Verlust einiger Wählerstimmen fürchte. Außerdem kommt es ihm im Hinblick auf die bevorstehende Wahl zugute, dass QAnon Fehlinformationen und Zweifel gegenüber seinen politischen Gegnern, den Demokraten, streut.

Aufgrund der Tatsache, dass immer mehr Menschen, insbesondere jüngere Leute, die sozialen Netzwerke als primäre Nachrichtenquelle nutzen, sehen viele eine offensichtliche Gefahr: QAnon beeinflusst durch das gezielte Streuen von Fehlinformationen und Lügen zunehmend die sozialen Netzwerke. Dies hat nicht nur einen enormen Einfluss auf Millionen Nutzer, sondern unter Umständen auch auf deren Stimmabgabe bei der Präsidentschaftswahl in 14 Tagen.

“Mit einem Präsident Biden hätte ich keine Angst, dass er mit einem falschen Tweet einen neuen Weltkrieg entfachen könnte”

Karen besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft. Ihre deutschen Eltern lebten in den 80er Jahren an der US-Ostküste, als Karen zur Welt kam. Vor über einem Jahr zog die 34-Jährige mit ihrem britischen Mann zurück in die USA, in die texanische Metropole Houston.

Weshalb wirst du Biden wählen?

Ich bin stark in internationalen gemeinnützigen Organisationen tätig die amerikanische Frauen im Ausland unterstützen und sich für Frauenrechte und Kinder in der ganzen Welt einsetzen. All das wofür wir stehen und uns einsetzen: all meine Werte, und das, was ich mir für unsere Welt und ihre Menschen wünsche,  wird von der aktuellen amerikanischen Regierung nicht vertreten oder überhaupt respektiert (Siehe den Austritt aus dem Pariser Vertrag). 

Frauen, Menschen die nicht weiß und/oder reich sind, oder die Umwelt, sind für Trump und seine Regierung nichts wert und stehen an aller letzter Stelle. 
Zwar hätte ich mir einen anderen Kandidaten für die Demokraten gewünscht, doch ich stimme für Biden: um einfach gegen Trump zu wählen.

Wer wäre denn Deiner Meinung nach denn der/die ideale Kandiat/in gewesen?

Anstelle von Joe Biden hätte ich gerne Elizabeth Warren gesehen. Sie sehe ich als realistische Trump-GegnerIn, die auch die sehr wichtigen unentschlossenen Wählergruppen hätte gewinnen können.
Sie ist Verfechterin der Mittelschicht, strebt die Reichensteuer an und ist bekannt für ihre unnachgiebige Überzeugung („nevertheless she persisted“), sie wird sich nie in die Schranken weisen lassen. Warren spricht klare Worte und hat in meinen Augen eine transparente Agenda. Sie hat Profil und bei den Fernseh Debatten hatte sie immer dieses gewisse Feuer, dass ich mir aktuell in einem Kandidaten wünsche. Ein TV-Duell zwischen Elizabeth Warren und Trump wäre spektakulär geworden! Ich war sehr enttäuscht als sie ihre Kandidatur zu Gunsten Bidens zurückgezogen hat.

Ich selbst habe in den Vorwahlen aber für Bernie Sanders gestimmt. Letztes Jahr hatte ich die Gelegenheit bei einer Pep Rally von Bernie dabei zu sein. Ich stand ganz vorne, in der ersten Reihe, eher aus Neugier. Ich wusste Bernie war ein Phänomen, hatte so viel über ihn gelesen, aber war noch sehr kritisch. Währenddessen haben viele um mich herum vor Freude geweint als er auf die Bühne kam. Ich war erst völlig genervt und dachte, das sei wieder do ein unnötiger Hype. Am Ende hätte ich aber selber mitheulen können. Bernie hat so viel Leidenschaft in seiner Rede gehabt und sogar mich total mitgerissen, die eher zufällig und spontan vorbeischaute. Er hat genau die Probleme angesprochen, die die USA belasten. Bildung, Klassenunterschiede, Systematischer Rassismus, das überteuerte Gesundheitssystem etc. Ich bin an diesem Abend nach Hause und wollte die Welt verändern. Bernie Sanders ist seit 60 Jahren so voller Feuer für die Sache.
Ja, er ist alt, aber er brennt voller Ideen um die USA in ein Land für alle zu transformieren.

Mir war aber auch immer bewusst, dass er gegen Trump kaum eine Chance haben würde. Sanders Ideen sind zu progressiv, zu radikal für Amerika – NOCH. In einem Land, das auf der Idee aufgebaut ist, dass du nur hart genug arbeiten musst, damit es dir gut geht, ist Sozialismus fast ein Schimpfwort.  Viele ignorieren in dieser Diskussion wesentliche Dinge, wie z.b. die Tatsache, wie niedrig Gehälter z.b in der Gastronomie sind, oder dass sich viele Menschen durch Gesundheitsprobleme verschulden, ein Studium hier ein Privileg ist und mit einer hohen finanziellen Verschuldung für viele verbunden, usw….

Was sind Bidens stärkste Charaktereigenschaften?

Biden wirkt besonnen und ruhig. Ich glaube er hat die richtigen Leute um sich. Er kann reden und hat einen gewisse Präsenz, die ihn sympathisch wirken lässt. Unter normalen Umständen würde mir all das nicht für einen Präsidenten reichen.

Gibt es auch etwas, das du an ihm nicht so gut findest?

Joe ist nicht perfekt.  Auch wenn man hier über „Sleepy Joe“ witzelt, und ich selber oft sagen muss, dass er manchmal etwas verwirrt wirkt, macht er mir nie Angst, dass er mit einem falschen Tweet einen neuen Weltkrieg entfachen könnte.
Dass er hinter allem, was er sagt, steht – damit überzeugt er nicht nicht. Ihm fehlt das Feuer, die Leidenschaft für die Sache. Ich glaube da hilft ihm dann vor allem Kamala Harris, seine Vizepräsidentin, die in der Hinsicht eher überzeugt.

Biden ist seit Jahrzehnten politisch aktiv. Was sind bisher größten Erfolge?

Biden reitet noch immer auf der Popularitätswelle von Obama. Trotzdem kommt er nicht um kritische Fragen zu seinen früheren Senatsentscheidungen zu Rassenproblemen und dem Afghanistankrieg rum. 

Seit 1970 ist Biden in der Politik, in 50 Jahren macht man auch Fehler oder trifft Fehlentscheidungen. Mir ist wichtig, dass er sich mit seiner Vergangenheit auch kritisch auseinandersetzt.

Was ihn für mich politisch interessant macht, ist vor allem seine außenpolitische Erfahrung und Herangehensweise, die ihn ja auch als Vizepräsident an Obamas Seite gebracht hat.

Karen O’Shaughnessy sagt: Joe Biden ist nicht perfekt, aber vor allem ist er besser als Trump. Photo privat

Du wählst nicht das erste Mal. Bist du eine die-hart Demokratin oder hast du auch schon mal republikanisch gewählt?

Ich habe bereits aus Deutschland per Overseavoting, der Briefwahl, in meinem Ursprungsstaat und -bezirk gewählt. Hauptsächlich auf lokaler Ebene aber auch bei den Kongresswahlen. Da habe ich das ein oder andere Mal republikanisch gewählt. Ich recherchiere viel über die Personen, die zur Wahl stehen (In Deutschland sowie in den USA). Ich erkundige mich für was sie stehen, was sie bisher gemacht haben und wie sie über die Themen denken, die mir wichtig sind. Da spielt für mich die Partei grundsätzlich keine Rolle.

Auch wenn ich mich eher demokratisch orientiere, fühle ich mich in der amerikanischen Politik eher mittig. Ich stimme nicht allem zu, was die Partei so fabriziert. Das große Problem eines Zweiparteiensystems. 

Beide Parteien sind in sich so vielseitig geschichtet, in Deutschland wären aus den zwei mindestens 5 oder 6 Parteien gemacht worden.

Ich könnte mir also auch gut vorstellen in Zukunft mal einen republikanischen Präsidenten zu wählen, wenn der Kandidat mir zuspricht und auch eher mittig angesiedelt ist.

Ist das Land zerrissener als vor vier Jahren, bzw. glaubst du Trump ist eher ein Präsident, der das Land eint oder weiter auseinanderdriften lässt? Würde das Biden das anders machen?

Trump hat die USA gespalten. Wenn man nicht für ihn ist, ist man gegen ihn. Dann ist man auch gleich gegen Amerika, liebt sein Land nicht und ist eigentlich gleichzusetzen mit einem Landesverräter. Das habe ich hier viel erlebt. Man darf Trump in keiner Weise hinterfragen. Sagt man ein Wort gegen Trump, hasst man Amerika. Man muss sehr vorsichtig sein mit wem man über welche Themen spricht. Es hat mich anfangs zu Tränen gebracht. 

Viele Menschen orientieren sich an Trump. Er und Fox News leben ihnen vor was sie denken und sagen. Selbst am Vokabular erkennt man, wer gestern Abend wieder mal FOX News geschaut hat.

In Deutschland kann man ruhig mal Politiker kritisieren oder Merkel mal doof finden, und keiner nimmt einem das in der Regel krumm. In den USA ist es alles oder nichts. Hier ist Politik eine Identitätsfrage geworden. Noch viel mehr als vor einigen Jahren. FOX News und Trump sei Dank.

Ich glaube Biden wird es sehr schwer haben das rückgängig zu machen. 

Ich kann mir vorstellen, dass es noch ein oder zwei Präsidenten brauchen wird, vielleicht einen mittig angesiedelten Republikaner, um die Auswirkungen von Trump rückgängig zu machen.

Was würde ein Wahlsieg für Biden für das Deutsch-amerikanische Verhältnis bedeuten?

Wenn Menschen hier erfahren, dass ich aus Deutschland bin, sind die ersten Fragen: 

Was wir von Merkel halten und was wir in Deutschland an Steuern zahlen. Das haben sie hier nämlich gelernt: FOX News und Trump erzählen, Merkel sei doof und hasse Amerika… weil sie einmal nicht nett zu Trump war. Und sie sagen, dass Sozialismus den Menschen das Geld aus der Tasche ziehe und böse sei.

Wie harmonisch wirkte doch damals das Dream Team Angi und Barack. Sehnen wir uns nicht alle nach Harmonie? Das Vertrauen in die USA und in die Bevölkerung des Landes könnte mit der Wahl von Biden wiederhergestellt werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Deutsche denken, dass alle Amerikaner bescheuert sein müssen und nicht raffen was wirklich abgeht. Mit Biden könnte die USA wieder beweisen, dass wir nicht Egoisten sind, sondern dass es genügend Menschen gibt, die sich für die Welt und eine gesunde Zukunft für alle interessieren.

Wie würde sich Amerika verändern, wenn Trump noch einmal vier Jahre regieren würde?

Mein Mann ist Brite und wir sehen was Populismus mit einem Land machen kann.

Denken wir an die Zukunft der USA, bekommen wir Angst. Seit Monaten wird hier protestiert, um allen Menschen die gleichen   Voraussetzungen in Bildung, Gesundheit und Lebensstil zu ermöglichen. All das wäre umsonst. Die Kluft wird bleiben oder gar größer werden. Das hochgelobte Land der unbegrenzten Möglichkeiten bleibt für viele Menschen das Land der begrenzten Möglichkeiten und nicht „The Land Of The Free“, sondern „The Land Of Some Free“ .

„Trump ist dafür bekannt, zu seinen Worten zu stehen, ob sie den Leuten gefallen oder nicht.“

Kimberly, 27,  besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft. Sie reiste viele Jahre in die USA um ihre Großtante in Arizona zu besuchen. 2017 lernte sie dabei die Liebe ihres Lebens kennen: ihren heutigen Mann. Die ersten beiden gemeinsamen Jahre verbrachten sie in Deutschland, Anfang 2020 wagten sie das Abendteuer USA. Mit ihrer kleinen Tochter leben sie nun in Nashville, Tennessee.

Kimberly wird dieses Jahr das erste Mal wählen gehen. Sie hofft, dass Donald Trump US-Präsident bleibt. 

Weshalb möchtest du Trump wählen?
Seit meinem Studium (Bildung in Kindheit und Jugend) interessiere ich mich für Kinderrechte und setze mich für diese ein. Schon vor einigen Jahren bin ich auf Menschenhandel in den USA aufmerksam geworden. Auch das Thema „Abtreibungen in den USA“ lies mich nicht los. Ich habe sehr viel recherchiert und mein Interesse wurde immer größer. Trump setzt sich für die Kinder ein und hat erst vor ein paar Tagen bei der Convention der Republikaner stolz verkündet, dass alle Kinder – geboren und ungeboren ein von Gott gegebenes Recht auf ihr Leben haben. Hinter dieser Aussage steckt für mich sehr viel. Als ich das hörte, habe ich mich richtig gefreut. Das Ganze ist für mich eine Herzensangelegenheit und ich möchte Trump unter anderem durch meine Stimme dabei unterstützen Menschenhandel, sexuelle Ausbeute und Sklaverei zu bekämpfen.

Trump ist dafür bekannt, zu seinen Worten zu stehen, ob sie den Leuten gefallen oder nicht. Ich vertraue auf seine Worte und habe große Hoffnung, dass er sich in vielen Dingen für die US-Bevölkerung einsetzt. Ich denke, dass sein Handeln auch große Auswirkungen auf den Rest der Welt hat. Deshalb ist diese Wahl für mich besonders wichtig.  Ich wähle Trump nicht, weil er Republikaner ist. Ich wähle ihn als Person, als Individuum. In vielen Bereichen hat er meiner Meinung nach bewiesen, dass er ein guter Präsident ist.

Was sind die größten Errungenschaften in Trumps Präsidentschaft?

Für mich steht da an erster Stelle der Frieden zwischen Israel und UAE – geschlossen durch Trump. Länder, die sich seit vielen Jahren im Krieg befinden. Ich glaube, dass dies auch große Auswirkungen auf die Flüchtlingspolitik in Europa und ganz besonders in Deutschland haben könnte. Ich kann mir vorstellen, dass andere Länder im Mittleren Osten nachziehen. Wenn in diesen Ländern wieder Frieden herrscht und der Kriegsstatus damit beendet ist, müssten laut Gesetz viele geflüchtete Menschen Deutschland wieder verlassen. Die Aufenthaltsgenehmigung für Kriegsflüchtlinge würde dann aufgehoben werden – zumindest ist es das, was ich in meiner Arbeit im Flüchtlingscamp gelernt habe. Ich denke, das wäre sehr wichtig und auch gut, denn durch meine Gespräche mit geflüchteten Menschen weiß ich, dass viele an ihrer Heimat hängen und sie vermissen. Viele Familien sind immer noch getrennt und könnten dann endlich wieder zusammengeführt werden. Ich denke da ganz besonders an die unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlinge, zu denen ich einen sehr großen Bezug hatte.

Die Arbeitslosenquote hat sich zudem sehr verringert und die Einkommenssteuer wurde durch Trump gesenkt. Die Arbeitslosenquote sank von über 14 % im April auf 10,2 % im Juli dieses Jahres, währenddessen auch die Löhne erhöht worden sind.

Durch Trump wurden Regelungen bezüglich Abtreibungen geändert. In einigen Staaten waren Abtreibungen bis in die späten Schwangerschaftsmonate erlaubt. Das gilt seit der Änderung nur noch für Schwangerschaften, die durch Vergewaltigung oder Inzest entstanden sind, oder im Falle eines medizinischen Notfalls.

Menschenhandel ist in den USA ein sehr großes Thema. Viele Frauen, Kinder aber auch Männer werden für illegale Drogengeschäfte und sexuelle Ausbeute verschleppt. Trump unterstütze Hilfsorganisationen mit 35 Millionen US Dollar und versprach weitere Ermittlungen anzustellen sowie die Schuldigen strafrechtlich zu verfolgen und zu bestrafen. Oft wird darüber in den großen Medien nicht berichtet, aber ich beobachte aktuell ganz viele erfolgreiche Ermittlungen, Festnahmen und Befreiung von Kindern und Frauen. Zuletzt gestern, als in Georgia 39 Kinder aus einem Pädophilenring gerettet wurden.

Was würdest du sagen, sind Trumps stärkste Charaktereigenschaften. Gibt es auch etwas, was du nicht so gut findest?

Ich denke, dass Trump zu seinen Worten steht und das eine besonders starke Charaktereigenschaft ist. Er ist selbstbewusst und Kritik gegenüber sehr unerschrocken – das wirkt sehr selbstsicher. Zudem scheint er eine besonders große Willensstärke zu haben und geht viele Mammut-Projekte an, die Arbeit und auch Überwindung kosten.

Es gibt auch Eigenschaften, die ich nicht gut finde.Trump ist definitiv nicht der beste Redner. Das hat unter anderem zur Folge, dass er oft missverstanden und falsch interpretiert wird. Auch mit Tweets auf Twitter hat er oft provoziert – besonders in Momenten der Wut – so scheint es mir.

Kimberly wird im November das erste Mal in ihrem Leben wählen gehen. Sie gibt ihre Stimme Donald Trump 

Du wirst das erste Mal in Deinem Leben im November wählen gehen. Wieso jetzt? 

Bis vor ein paar Jahren habe ich mich wenig mit Politik beschäftigt, weil es für mich nicht interessant war. 

Das änderte sich als ich in Deutschland von 2015-2017 in einem Flüchtlingscamp gearbeitet hatte. Da stieg mein Interesse an der Politik – insbesondere Flüchtlingspolitik.

Das klingt interessant! Was waren denn Deine Aufgaben in dem Camp?

Ich habe Sprachkurse organisiert und koordiniert und ein Projekt für Mütter + Kinder geleitet. Nebenbei – als Freiwillige – habe ich minderjährige unbegleitete Flüchtlinge betreut und war „Ansprechpartnerin“ – viel mehr große Schwester. Zudem hatte ich die Vormundschaft eines Flüchtlingsjungen, bis er 18 Jahre alt wurde.

Ich habe bei meiner Arbeit festgestellt, dass die politischen Gedanken und Entscheidungen sowie rechtliche Vorschriften in vielen Bereichen wenig bis gar nicht umsetzbar waren. Ich war oft sehr frustriert und die Frustration machte sich auch überall sonst bemerkbar.

Du hast Dich persönlich um Flüchtlinge gekümmert, kennst viele persönliche Geschichten. Nun ist Trump ein Präsident, der gerade in Bezug auf Flüchtlinge sehr hart durchgreift. So wurden und werden in den USA minderjährige Kinder von Flüchtlingen und illegalen Einwanderern getrennt. Was denkst Du darüber?

Ja, Trump greift bei der Flüchtlingspolitik sehr hart durch. Ich verstehe den Aspekt der Gefahr des Menschen- und Drogenhandels bei (illegalen) Einwanderungen. Auch glaube ich, dass ein Land bei vielen neuen Menschen, überfordert ist. Das habe ich bereits in meiner Arbeit mit geflüchteten Menschen in Deutschland kennengelernt. Wenn die Ressourcen fehlen, funktioniert eine gute Integration einfach nicht und Integration ist wichtig; nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für die Neuankömmlinge, die Perspektiven und Chancen benötigen.

Warum Kinder von ihren Begleitpersonen getrennt werden, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass diese Entscheidung damals schon von Obama getroffen wurde. Ich vermute, aber ich weiß es nicht.

Der einzig logische Grund für mich wäre, Kinder aus den Fängen der Menschen zu befreien, die diese in den USA verkaufen wollen. Ich weiß, dass täglich ca. 5 Kinder von ihren Begleitpersonen getrennt werden. Wie viele Kinder täglich die Grenze passieren, weiß ich nicht – auch nicht, ob die Begleitpersonen tatsächlich die Eltern oder Verwandte sind.

Ich hoffe, dass Kinder und ihre tatsächlichen Eltern oder Verwandten zusammenbleiben dürfen und es sich bei der Zahl von 5 Trennungen tatsächlich um andere Gründe handelt. Vielleicht ist dies auch nur eine Wunschvorstellung. Ich habe keine andere Antwort. 

Ist das Land zerrissener als vor vier Jahren, bzw. glaubst du Trump ist eher ein Präsident, der das Land eint oder weiter auseinanderdriften lässt? Woran machst du das fest?

Die USA ist aktuell sehr gespalten. Das gab es vor vier Jahren nicht. Da schien mir alles viel friedlicher. Vor vier Jahren hätte niemand geglaubt, dass wir Menschen uns eines Tages mal um Toilettenpapier streiten müssen. Im Moment herrschen viel Unverständnis, Anfeindung, Ungewissheit, Skepsis, Angst und Chaos. Das ist ein absoluter Ausnahmezustand, der das Land sehr spaltet. Ich glaube, dass Trump das komplette Auseinanderdriften keinesfalls zulassen möchte. Trump ist Patriot und er liebt die USA. Die Patrioten sind stolz auf die USA und halten an ihr fest und ich denke, dass Trump durch die Gemeinschaft und neue Voraussetzungen und Chancen für benachteiligte Menschen die USA zusammenhalten kann – vorausgesetzt die Entwicklung des Coronavirus verläuft positiv (gleichbleibend).

Welches Bild haben die meisten Deutschen von Trump?

Für viele Deutsche ist es nach wie vor unverständlich, wie Trump Präsident werden konnte. Und um ehrlich zu sein, dachte ich das bis vor ein paar Jahren auch noch. Viele Deutsche können Trump gar nicht ernst nehmen – weder seine äußerliche Erscheinung noch sein Reden. Trump ist eine Witzfigur und derjenige, der die USA und die ganze Welt in Gefahr bringt. Er ist provokativ und leichtsinnig. Trump ist ein Sexist und Rassist. Er ist unglaubwürdig, unbeliebt und ein schlechter Verlierer, der sich verhält, wie ein kleiner wütender Junge, wenn ihm etwas nicht gefällt.

Welches Bild ist deiner Meinung nach richtig?

Trump wird durch die Medien oft falsch dargestellt und viele Menschen möchten ihm nicht wirklich zuhören und erzählen meines Erachtens Unwahrheiten. Trump ist gewiss gewöhnungsbedürftig und nicht einfach. Ich habe erst durch eigene Recherchen ein vollständiges und richtiges Bild des US-Präsidenten erhalten. Ich stimme Trump nicht in allen Punkten zu, aber doch macht er Vieles richtig und hat Einiges bewirkt. Ihm sollte das definitiv zugesprochen und anerkannt werden. Oft liest man leider nur Negatives.


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